Karriere als Notar:in – Beraten & Gestalten

Workshop am 6. Juni 2024

Wer die vielfältigen Möglichkeiten des Notarberufs in angenehmer Gesellschaft von anderen Studierenden, Referendar:innen sowie Notar:innen kennenlernen und mit einem gemeinsamen Abendessen den Tag ausklingen lassen möchte, sollte sich für die Teilnahme an unserem Workshop bewerben.

In unserem Workshop „Karriere als Notar:in – Beraten und Gestalten“ wollen wir euch am Nachmittag des 6. Juni 2024 in der Bundesnotarkammer das Berufsbild Notar:in näher vorstellen, über die unterschiedlichen Karrierewege informieren sowie in einer Case Study den praktischen Alltag im Notarbüro zeigen.

Unsere Referent:innen werden euch hierbei einen Überblick über die unterschiedlichen Notariatsformen des hauptberuflichen Notariats („Nur-Notariat“) und des Anwaltsnotariats geben und Möglichkeiten für euren künftigen Berufsweg aufzeigen.

Ein gemeinsames Abendessen ganz in der Nähe der Bundesnotarkammer wird den Tag abrunden.

Teilnahme:

Wir freuen uns auf die Bewerbungen von Referendar:innen und fortgeschrittenen Studierenden mit überdurchschnittlichen Leistungen, die den Notarberuf kennenlernen möchten.

Spezielle Vorkenntnisse benötigt ihr nicht. Dafür solltet ihr aber ein besonderes Interesse an der Arbeit mit und für Menschen mitbringen. Zu einem/r Notar:in kommen Menschen, die für ihr Leben weichenstellende Entscheidungen treffen und dabei beraten und begleitet werden wollen.

Sendet uns euren Lebenslauf und eure Zeugnisse bis zum 17. Mai 2024 per E-Mail an notarberuf(at)bnotk.de. Dort erreicht ihr auch für Rückfragen unsere Talent Managerin Mona Finder.

Wir freuen uns auf eure Bewerbungen.


Berufsziel Notarin

Auf ein Wort mit den Notarinnen Dr. Sophie Freier und Dr. Annette Reuters: Unsere Gesprächspartnerinnen erzählen von ihrem Weg in den Notarberuf und berichten aus ihrem Arbeitsalltag als Notarin.
  • Portrait Dr. Sophie Freier

    Dr. Sophie Freier

    Dr. Sophie Freier ist Notarin in Borna. Zuvor war sie als Notarassessorin in Sachsen tätig, davon zwei Jahre beim Deutschen Notarinstitut in Würzburg.

  • Portrait Dr. Annette Reuters

    Dr. Annette Reuters

    Dr. Annette Reuters ist Notarin, Fachanwältin für Familienrecht und Fachanwältin für Verwaltungsrecht in Iserlohn. Seit 2021 ist sie Vorsitzende des Fachausschusses für Familienrecht der Bundesnotarkammer.

Gab es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem die Entscheidung gefallen ist Notarin zu werden? Welche Ereignisse waren dafür prägend?

Dr. Annette Reuters: Mir war als Kind schon klar, dass ich in den Anwaltsbereich einsteigen würde, da ich familiär stark in dieser Richtung beeinflusst war. Mein Vater war Patentanwalt und meine Mutter Notarfachangestellte. Während des Studiums hat mich zudem die Tätigkeit am Lehrstuhl sehr geprägt. Dort habe ich nicht nur gelernt, wissenschaftlich zu arbeiten, sondern auch – ich will es positiv formulieren – detailverliebt. Dass ich Notarin geworden bin, war eigentlich eine spontane Entscheidung. Ich war auf der Suche nach einem neuen Fachanwaltstitel und bin zufällig auf den Lehrgang zur Vorbereitung auf die Notarprüfung gestoßen. Gesagt, getan: Nach acht Monaten hatte ich die Prüfung absolviert, nach ein paar weiteren Monaten und nach Abschluss des Zulassungsverfahrens durfte ich dann schon meine ersten Beurkundungen durchführen.

Dr. Sophie Freier: Ich habe mich schon relativ früh während meiner Ausbildung entschieden, Notarin zu werden. Da ich im Studium als Schwerpunkt den Bereich Gesellschaftsrecht gewählt hatte, habe ich eine Vorlesung besucht, in der ein Notar zur Thematik der notariellen Vertragsgestaltung im Gesellschaftsrecht referiert hat. Bis dahin war mir nicht bewusst, dass es das Notariat gibt, oder was ein Notar so macht. Durch die Vorlesung habe ich für mich erkannt, dass ich diese Tätigkeit sehr spannend finde, weil man vorsorgend und für alle Beteiligten gleichermaßen beratend tätig ist.

Das heißt, diese Vorlesung war für Sie der Schlüsselmoment, in dem Sie sich für eine notarielle Tätigkeit entschieden haben?

Dr. Sophie Freier: Ja, das war der Punkt, an dem mir bewusst wurde, dass das mein Weg sein könnte. Ich habe dann nach meinem Examen beim Notariat Heckschen & van de Loo in Dresden für zwei Monate als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet und das erste Mal einen Einblick in ein Notariat erhalten: Was macht der Notar überhaupt? Wie läuft ein
Notariat? Diese zwei Monate haben mich darin bestärkt, dieses Karriereziel weiter zu verfolgen.

Was genau macht für Sie das Besondere am Notarberuf aus?

Dr. Annette Reuters: Ich finde es beeindruckend, im unternehmerischen Bereich Start-up-Firmen zu begleiten und deren Entwicklung zu beobachten. Da kann aus einer einfachen UG-Gründung nach ein paar Jahren eine Holding-Struktur entstehen. Man verfolgt im notariellen Bereich den Lebenslauf der Mandanten mit und hat Anteil an der Entwicklung des Unternehmens. Ich bin mir sicher, dass es Kolleginnen und Kollegen gibt, die im Laufe ihrer Berufszeit den kompletten Lebensweg des ein oder anderen Unternehmers mitverfolgt haben – vom Anfang bis zum Ende. Es gibt zudem viele gestaltende Themen im Notariat, bei denen man als Notar auch persönlich an der Situation der Mandanten Anteil nimmt. Ich denke hier zum Beispiel daran, wie ich eine Patchworkfamilie mit mehreren Kindern am Tisch sitzen habe und wir gemeinsam einen Erbvertrag besprechen und beurkunden, bevor die Eltern die Ehe miteinander eingehen. Oder an die getrennten Eheleute, die statt eines vielleicht Jahre dauernden Rechtsstreites rund um den Zugewinn eine Scheidungsfolgenvereinbarung beurkunden lassen. Ebenso gibt es aber auch traurige Momente, wenn zum Beispiel der krebskranke Mandant am Sonntag vor der Operation dringend eine Vorsorgevollmacht und ein Testament beurkunden möchte. Als Notarin bin ich in diesen Situationen häufig sehr nah an den Mandanten und habe das Gefühl, dass ich für meine Mandanten eine wichtige Unterstützung bin. Das ist ein gutes Gefühl.

Welche Voraussetzungen werden von künftigen Notarinnen und Notaren erwartet? Ist ein Titel wie LL.M. oder eine Promotion hilfreich?

Dr. Sophie Freier:  Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Voraussetzungen. In der Regel muss man allerdings sehr gute Noten mitbringen. Aus meiner Sicht ist dies wichtig, um den Qualitätsstandard des Notariats hoch zu halten. Man darf nicht vergessen, dass es sich um eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit handelt, nicht nur in rechtlicher Hinsicht, sondern auch in persönlicher. Notarinnen und Notare verfügen über ein umfassendes Wissen über viele Rechtsgebiete. Hinzu kommt, dass die Veränderungen im Rechtswesen schnelllebiger geworden sind, was durch neue Gesetzgebungsverfahren, aber auch durch den Einfluss des europäischen Gesetzgebers bedingt ist.

Dr. Annette Reuters:  Jedem, der die Möglichkeit der Promotion hat, kann ich nur dringend dazu anraten. Für sich selbst lernt man sorgfältiges und detailliertes Arbeiten, das Auseinandersetzen mit Rechtsprechung und Literatur. In meinen Augen ist dies die eigentliche Qualifikation, die eine Promotion mit sich bringt, nicht der Doktortitel als solcher. Allein im Studium lernt man diese Arbeitsweise nicht, im Berufsalltag ist sie jedoch sehr von Vorteil. Als Berufseinsteiger hebt man sich zudem deutlich von anderen Bewerberinnen und Bewerbern ab, die diese Qualifikation nicht mitbringen.  

Dr. Sophie Freier: Ob die Promotion eine Einstellungsvoraussetzung ist, kann ich nicht beurteilen. Für mich persönlich war dieser Schritt wichtig, um mein Fachwissen zu erweitern.

Ich finde, die Promotion ist ein Merkmal, das gerade uns Frauen im Notariat stärkt, weil der Doktortitel unsere Fachkompetenz unterstreicht. Mir persönlich hat der Titel daher wirklich geholfen, da ich – gerade auch als junge Notarin – anders wahrgenommen werde. Ich würde außerdem empfehlen, einen LL.M. zu machen, auch wenn es bei mir zeitlich nicht mehr möglich war. Ich denke, das ist eine wichtige Erfahrung, nicht nur in rechtlicher, sondern auch in persönlicher Hinsicht. Für mich war es zum Beispiel sehr bereichernd, während meiner dreimonatigen Zeit in einer Kanzlei in Singapur ein anderes Rechtssystem und eine andere Lebensweise kennenzulernen. Zudem gibt es – selbst wenn man auf dem Land tätig ist – immer wieder Berührungspunkte mit englischsprachigen Mandanten. Dafür kann eine Auslandsstation ebenfalls hilfreich sein.

Wie häufig kommt es vor, dass Sie in Ihrem Arbeitsalltag Englischkenntnisse benötigen?

Dr. Sophie Freier: Ich schätze zwei- bis dreimal im Monat. Das sind nicht unbedingt nur Beurkundungen auf Englisch, sondern es können auch ausländische Mitbürger im Notariat vorsprechen, deren Muttersprache möglicherweise eine andere Sprache ist, und dann ist Englisch eine Möglichkeit, zu einer gemeinsamen Kommunikation zu finden. Englisch beurkundet habe ich bis jetzt nur in zwei Fällen während der letzten zwei Jahre. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es in Großstädten wie zum Beispiel Berlin oder Frankfurt, München oder Hamburg häufiger vorkommt. Es ist in jedem Fall ein Pluspunkt, wenn man als Notarin oder Notar noch eine weitere Sprache beherrscht.

Welche persönlichen Voraussetzungen sind neben den fachlichen Kompetenzen im Notariat wichtig?

Dr. Annette Reuters: Ich würde hier zwischen zwei Bereichen unterscheiden: Bürointern und im Verhältnis zu den Mandanten. Im Hinblick auf das Notarbüro halte ich die Teamfähigkeit für das wichtigste Element. Gerade im Notariat müssen Mitarbeitende und Notarin oder Notar eng miteinander zusammenarbeiten. Zuverlässigkeit in beide Richtungen ist das A und O. Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn jeder sich als Teil des Teams sieht und jeder sich auf den anderen verlassen kann. Hier ist es wichtig, mit seinem Team ein gemeinsames Verständnis über die Zusammenarbeit zu etablieren. Im Verhältnis zu unseren Mandanten sind vor allem Kommunikationsfähigkeit, Kreativität und Empathie gefragt. Was ich im Notariat sehr schätze, ist das vertrauensvolle und respektvolle Verhältnis zu meinen Mandanten. Weil der Umgang mit den Mandanten im Notariat sehr angenehm ist, pflege ich eine hohe Verfügbarkeit und persönliche Erreichbarkeit.

Dr. Sophie Freier: Eine große Herausforderung beim Einstieg ins Notariat war für mich das Unternehmertum. Die Selbstständigkeit als Notarin erfordert ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit. Als Notarin bin ich auch Arbeitgeberin, ich muss also meine Mitarbeitenden führen und das Team zusammenhalten. Dafür braucht es Durchsetzungskraft,  Führungspersönlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und selbstständiges Arbeiten. Nicht zu unterschätzen ist ebenfalls das Thema IT-Ausstattung im Notariat. Ich denke, es ist unerlässlich, dass man als zukünftiger Notar oder als zukünftige Notarin eine gewisse IT-Affinität mit sich bringt.

Was gibt es aus Ihrer Sicht zu beachten, wenn man ein Notariat neu aufbaut oder von einem Amtsvorgänger übernimmt?

Dr. Sophie Freier: Meine persönlichen Erfahrungen sind, dass man zunächst viel in die IT investieren muss. Darüber hinaus ist Personalgewinnung ein großes Thema im Notariat. Das sollten auch junge Berufsanfänger berücksichtigen. Ich versuche mir mein eigenes Team aufzubauen und habe zum Beispiel dieses Jahr wieder eine neue Auszubildende im Notarbüro. Sich in bestehende Mitarbeiterstrukturen einzufügen und die Führung von Personal zu übernehmen, ist ebenfalls sehr wichtig.

Dr. Annette Reuters: Da wir ein reines Anwaltsbüro waren, lag die Herausforderung zunächst darin, Aufträge für Beurkundungen zu erhalten. Über unsere Bestandsmandanten kamen nach und nach die ersten Urkundsaufträge und dann wurden es von Jahr zu Jahr mehr. Im Gegensatz zum Nurnotariat werden im Anwaltsnotariat nicht immer bestehende Mandanten an die Nachfolge übergeben. Hier muss man auf Empfehlungen und Mundpropaganda setzen und so den Anteil an Notarakten nach und nach steigern. Das ist ein kontinuierlicher Prozess und man muss viel Geduld mitbringen. Eine weitere Herausforderung ist die Personalgewinnung im Notariat. Notarfachangestellte werden aktuell überall gesucht und finden in der Regel schnell einen Job. Bei uns im Büro gibt es zudem eine Besonderheit – wir sind ein hundefreundliches Büro und haben regelmäßig Bürohunde hier.

Die Mandanten reagieren darauf überwiegend positiv und bringen auch ihre Hunde mit. Auch zu Gesprächen mit Mandanten habe ich oft meinen Hund mit ins Büro genommen, um die Atmosphäre aufzulockern. In meiner Wahrnehmung hat sich das Büroklima dadurch sehr zum Positiven gewandelt.

Das klingt nach einer guten Work-Life-Balance. Wie schätzen Sie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben im Notariat ein?

Dr. Annette Reuters: Wenn man mit Spaß durch den Tag geht, kann man alles schaffen. Bevor ich morgens um 9 Uhr meinen Bürotag starte, plane ich genug Zeit ein, um zum Sport zu gehen und mich um meine Tiere zu kümmern. So ist der Tag für mich rund, wenn ich abends nach Hause komme. Mit ein wenig Organisation ist Work-Life-Balance auf jeden Fall gegeben.

Dr. Sophie Freier: Das Notariat ist ein Beruf, der sehr viele Freiheiten mit sich bringt und aus meiner Sicht auch familienfreundlich ist. Ich erwarte im Dezember mein erstes Kind, und ich habe hier in Sachsen die Möglichkeit, mein Amt für eine gewisse Zeit niederzulegen. Ich habe vor, für ein halbes Jahr zu pausieren und kann danach wieder an meinen Amtssitz  zurückkehren, was mir viel Planungssicherheit gibt. In anderen Kammerbezirken wird diese Auszeit für die Familie beispielsweise über einen Vertreter abgedeckt.

Was raten Sie jungen Absolventinnen, die vor der Berufswahl stehen?

Dr. Sophie Freier: Bevor man so eine Lebensentscheidung trifft, lohnt es sich auf jeden Fall, Praxiserfahrungen zu sammeln. Bei mir war das durch die Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin gegeben, aber man kann auch – je nach Bundesland – einen Teil der Anwaltsstation aufteilen und zum Beispiel sechs Monate in einer Kanzlei und drei Monate im Notariat verbringen. Aus meiner Sicht ist es wirklich wichtig, vorab einen Einblick in den Berufsalltag zu erhalten, sei es im Rahmen eines Praktikums oder einer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin.

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